22.04.2026
in der Kongresshalle in Gießen
Die Ingenieurkammer Hessen (IngKH) lud nach längerer Pausierung der Veranstaltung erstmals wieder Energieexperten zum 11. Fachplanertag Erneuerbare Energien in die Kongresshalle Gießen ein. Die Veranstaltung bot eine Plattform für den Austausch über die neuesten Entwicklungen und gesetzlichen Änderungen im Bereich der Erneuerbaren Energien.
Eröffnung und Themenschwerpunkte
Dr. rer. nat. Ronald Steinhoff, Vorstandsmitglied Ingenieurkammer Hessen und Vorsitzender der Fachgruppe Erneuerbare Energien eröffnete den Fachplanertag und begrüßte die Teilnehmenden herzlich. In seiner Eröffnungsrede betonte Steinhoff, dass in den aktuellen Krisenzeiten mit Versorgungs- und Wirtschaftskrisen Erneuerbare Energien einen Ausweg darstellen, insbesondere die Energieautonomie und der Klimaschutz.
Grußwort des Regierungspräsidium Gießens
Jan Schneider, Regierungsvizepräsident des Regierungspräsidiums Gießen, betonte in seinem Grußwort die vielfältigen Gründe für den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien. Besonders verwies er auf die derzeit steigenden Gas- und Ölpreise, die die Bedeutung alternativer Energiequellen nochmals hervorheben. Zugleich unterstrich er, dass der Ausbau Erneuerbarer Energien einen zentralen Bestandteil der politischen Agenda darstelle. Die Notwendigkeit sei längst erkannt – nicht zuletzt aufgrund der langfristigen Wirtschaftlichkeit und nachhaltigen Zukunftsaussichten von Erneuerbaren Energien.
Fachvorträge und Podiumsdiskussionen
Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein Vortrag zum Thema: „Projektfinanzierung Erneuerbare Energien“ von Jan Schäfer, Berater für Projekt- und Spezialfinanzierung bei der Volksbank Mittelhessen. Dieser verdeutlichte, dass die Finanzierung von Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien vor allem auf den künftig erwarteten Einnahmen aus der Stromerzeugung basiere. Dies zeigte er anhand eines Zeitablaufs einer Projektentwicklung auf inklusive einer Wirtschaftlichkeitsberechnung.
Max Ohagen M.Sc. Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Angewandte Geothermie am Institut für Angewandte Geowissenschaften der TU Darmstadt referierte über das Thema: „Co-Simulation ein ganzheitlicher Ansatz zur Nutzung von geothermischer Energie“ Dabei verdeutlichte er, dass Co-Simulationen lediglich eine Erweiterung bewährter Werkzeuge darstellen und diese nicht ersetzen. Besonders lohnend sei ihr Einsatz zudem bei komplexen geologischen Strukturen oder bei Fragestellungen mit mehreren miteinander interagierenden Feldern. Dort könne man mehrere Simulationen parallel darstellen, jede in seiner Domäne, was die Stärken beider Seiten nutzen würde.
Uwe Welteke-Fabricius, Sprecher des Netzwerks Flexperten präsentierte die Thematik der Sektorenkopplung und wie dezentrale KWK-Systeme zur Kostensenkung der Energiewende beitragen. Dieser bot einen Überblick über neue Geschäftsmodelle für Wärmenetze, Speicher und die Versorgungssicherheit im Stromsystem.
Nach der Mittagspause, die Raum für fachlichen Austausch bot und zugleich die Gelegenheit eröffnete, die zahlreichen Ausstellerstände der begleitenden Fachausstellung zu besuchen sowie mit Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen und Verbänden ins Gespräch zu kommen, wurde das Programm mit einem Vortrag von Dipl.-Ing. (TU) Ralf Bischof, Geschäftsführer RBID GmbH zum Thema: “Strom-Direktlieferung über Direktleitungen aus Erneuerbaren Energien - Technik und Wirtschaftlichkeit“ fortgesetzt.
Anschließend an diese Thematik gab RA Dr. Fabio Longo, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Partner Kanzlei Karpenstein Longo Nübel (KLN) einen Überblick über die dafür notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen. In diesem Zusammenhang berichtete er auch über politische Ziele, die zu den Erleichterungen von Direktlieferungen aus Erneuerbaren Energien im Koalitionsvertrag festgehalten wurden.
Vom Dach zum Geschäftsmodell: Wie Recht, Netze und Wirtschaftlichkeit übergroße PV-Aufdachanlagen entscheiden, mit dieser Frage beschäftigte sich Christian Quast, Sonneninitiative e.V. Verein zur Förderung privater Sonnenkraftwerke in seinem Vortrag und verdeutlichte, dass die Wirtschaftlichkeit großer Photovoltaik-Dachanlagen ein sensibles System sei, bei dem kleine Parameter über Erfolg oder Scheitern entscheiden. Zudem zeigte er auf, dass neben der Technik insbesondere Wirtschaftlichkeit, Netz und Recht für die Umsetzung entscheidend sind.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine gemeinsame Podiumsdiskussion zwischen Jana Krämer, Projektkoordinatorin bei der Hermann Hofmann Erneuerbare Energien Projekt GmbH, Andreas Hofheinz, Projektleitung Erneuerbare Energietechnologien und Systemtransformation bei der Landesenergieagentur Hessen (LEA), RA Dr. Fabio Longo, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht in der Kanzlei Karpenstein
Longo Nübel (KLN), Chantal Stamm M.BP., Geschäftsführerin der Ingenieur Akademie Hessen GmbH (IngAH) und Dr. rer. nat. Ronald Steinhoff, Fachplaner Erneuerbare Energiesysteme.